Kamera Teleskop Adapter, selbst ist der Mann

Allgemeines:
 In den Newsgroups Fotografie, Mikroskopie und Astronomie erfolgen immer wieder einmal Anfragen, wie denn z.B. eine Digitalkamera an ein Mikroskop oder Teleskop adaptiert werden kann.
Etliche  Vorschlaege laufen darauf hinaus, ein auf das jeweilige Geraet zugeschnittenes Anpassstueck beim Feinmechaniker fertigen zu lassen, oder, sofern dieser glueckliche  Umstand zutrifft, auf vorhandener Drehbank selbst anzufertigen.
Leider kommt man dabei beim Feinmechaniker schnell in die gleiche Preislage wie fuer kommerziell vom Geraetehersteller angebotene Adapterstuecke. Die Eigenfertigung aber scheitert oft an der Unmoeglichkeit, die  erforderlichen Feingewinde mit 0,75mm oder 1,0mm Steigung und nur 2mm Länge zu schneiden.

Vor genau dieser Situation stehend habe ich, zumindest fuer mich, einen Ausweg gefunden, den vielleicht auch Andere nutzen koennen. Daher stelle ich mal diese Beschreibung füer eventuelle Interessenten hier ins Netz. Zwar ist auf Dreharbeiten nicht zu verzichten, aber sie beschraenken sich auf einfache Arbeiten, die auch der Heimwerker selbst, ein  Freund oder ein Kollege mit Drehbank ausfuehren kann. Selbst bei Vergabe an eine Werkstatt wird das Teil noch deutlich billiger, weil auf den teuren Gewindeschnitt verzichtet werden kann.

Die Skizze entspricht sicher nicht dem Standard fuer Technische Zeichnungen ;-) Ich denke aber, man kommt damit zurecht.

Die benoetigten Gewinde-Anschlussstuecke erhaelt man als Zubehoerteile im Fotohandel, naemlich:

1. Einen Filteradapter von M28 x 0,75 auf M37 x 0,75 x   (z.B. Hama Nr. 12837)
   und
2. Eine Metall Tele-Sonnenblende M37 x 0,75  (Heliopan FS-Nr.9802 / Best.Nr.1037)                   

Diese zwei Teile ermoeglichen nun den Uebergang vom Kamera-Objektivgewinde zum ungefaehren Anschlussmass des Mikroskop- oder Teleskopokulars. Die genaue Anpassung bringt dann das Drehteil.
Da die Heliopan Metallsonnenblenden  in der ueblichen Stufungsreihe bis hinauf zu Gewindedurchmessern von 82 mm lieferbar sind, sollte eine Adaption an alle gaengigen Kameraobjektive moeglich sein.

Eine Anmerkung noch zu dem Adapterstück, sofern genau diese Kombination  Coolpix 995 + “Russentonne” (Maksutov-Cassegrain 10 / 1000 MTO 11 CA) nachgebaut werden soll: Die Sonnenblende passt bei den angegebenen Massen leichtgaengig, aber ohne merkliches Spiel auf das Adapterstueck. Sie sollte aber hier beim Einsatz am Teleskop besser mit Sekunden- oder Zweikomponentenkleber auf dem Drehteil gesichert werden! Die Gefahr, dass bei Beobachtung im Zenit oder beim Durchschlagen des Teleskops die Kamera auch mal in eine labile Lage kommen kann ist zu gross, als das man auf eine Sicherung verzichten koennte. Das bedeutet aber, dass auch das Adapterstueck auf dem Okular sicher befestigt sein muss. Dies ist in der für Steckhuelsen ueblichen Art durch eine oder zwei M3-Raendelschrauben zu bewerkstelligen, für die in das Drehteil entspechende Gewindebohrungen geschnitten werden. Ich selbst bevorzuge aber einen über das Adapterstueck gezogenen Klemmring (hier Details). Diese gleichmaessige Klemmung ist absolut sicher und kann auch das Okular nicht beschaedigen. Das Drehteil  wird dafür am okularseitigem Ende etwa 14mm tief mit drei um je 120 Grad versetzten Schlitzen versehen.
Ich benutze für die Aufnahmen vorwiegend ein Meade Okular, Serie 3000,Plössl 25mm, das eine sehr grosse Augenlinse  aufweist. Nach Abnehmen der Gummi-Augenmuschel passt das Adapterstueck bei den angegebenen Massen ganz satt über die Gummiriffelung des Okulars. Zusaetzlich gesichert durch o.a. Klemmung. Da ich ein zweites, gleiches Okular nochmals an der Russentonne verwende, bleibt ein Okular ständig an Adapter und Kamera fixiert. So kann man ganz schnell und auch bei voelliger Dunkelheit von visueller Beobachtung auf die Kamera wechseln, indem lediglich das  Okular umgesteckt wird.

Adapter 1

Adapter 1

Tonne 2

Russentonne+Adapter

Adapterstueck

Anklicken der Bilder oeffnet groesseres Foto

Adapter 2

Adapter 2

Tonne m CP

Tonne + Coolpix 995

Klemmvorrichtung

Klemmvorrichtung

Erstes Ergebnis

Tonne 1

Russentonne 1

Tonne m CP detail

Tonne / CP 995 / Detail

Klemme

Klemme

Die Aufnahmen von der “Russentonne” mit aufgesetzter Kamera sind leider in der Schaerfe  mangelhaft. Da jedoch die Digitalkamera im Bild sein sollte, war ich auf Einzelaufnahmen mit der Videokamera angewiesen. Dabei sieht  man nun aber deutlich den Qualitaetsunterschied zwischen einem Bild mit knapp 415000 Pixeln und einem Digitalkamerabild mit 3,15 Megapixeln. Trotzdem ist aber wohl ersichtlich, wie die Kameraadaption aussehen soll.
Die  Montage der Russentonne auf der im Bild sichtbaren Brettkonstrucktion hat natuerlich nichts mit der Digitalkameraadaption zu tun. Sie diente fuer Vorversuche, die Kamera ohne den beschriebenen Adapter in axialer Anordnung zu befestigen. Das ging natuerlich auch, war aber in der Handhabung beim wechseln auf visuelle Beobachtung zu umstaendlich. Ganz abgesehen davon, dass bei geradem Einblick und zenitnahen Objekten Bodenturnen angesagt war ;-)) Ich  habe diese Konstruktion aber so belassen, weil ich jetzt darauf meine Videokamera in der optischen Achse befestigen kann. Damit setze ich die Russentonne als 1000mm Televorsatz für Videofilmen auf einem azimutalen Stativ ein. In Naturschutzgebieten, die mitunter nur weit vom Objekt entfernte Beobachtungskanzeln bieten, ganz brauchbar.

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